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Die Reise dauert 8 Monate

Posted by on 6. Mai 2014

Lassen Sie sich verführen zu einer spannenden Reise. Markus Emminger beschreibt hier eine seiner sensationellsten Reisen:

Wenn einer eine Reise tut… (Teil 1)

…dann kann er was erzählen! Der Zeiger steht auf 08:05. Noch einige Minuten und das Flugzeug hebt ab. Ich sitze in einem Flieger der British Airways.

Ziel London Heathrow und damit der Beginn einer Reise die in Summe 8 Monate dauern wird.

Wer heute eine Reise auf einem Kreuzfahrtschiff bucht dem wird mit Sicherheit nicht entgangen sein dass es auch viele helfende Hände geben muss um diesen Betrieb aufrecht zu erhalten. So bin ich von Michael Spörer gebeten worden die andere Seite, die Seite wo auf den Türen steht „Crew only“  zu erzählen.reise Condor

Wir begeben uns 13 Jahre zurück. Es ist Oktober 2001. Ein kalter Nebel hängt über dem Flughafen Wien. Ich bin nervös. Sitze in dem Flieger mit dem Ziel etwas zu unternehmen was mein Leben verändern wird. Wir rollen aufs Flugfeld. Die Startbahn wird sichtbar. Wir warten auf die Freigabe, der Pilot erhöht den Schub der Turbinen, löst die Bremsen, der Flieger setzt sich in Bewegung, beschleunigt und hebt ab.

In den 2 Stunden lerne ich meine 1 Lektion: dass ich mit dem Englisch aus der Schule wohl nicht weit kommen werde. Ich versuche ruhig zu bleiben. Nach dem wir gelandet waren, ich mein Gebäck für die nächsten Monate aufklaubte und ich mit dem Fahrer der mich abholte um mich nach Southampton zu bringen, getroffen habe, fahren wir bei Britischem Wetter nach Süd England. Linksverkehr. Mir wird erklärt dies sei die „richtige“ Seite und Resteuropa fährt auf der Falschen. Ich nicke. Versteh nur die Hälfte.

Jeder Crew Member welcher neu auf ein Kreuzfahrtschiff kommt wird als erstes in die Sicherheitsvorkehrungen eingewiesen. Wie benütze ich eine Schwimmweste. Was ist eine Muster Station. Warum werden die Wassertüren geschlossen. Was passiert, wenn Feuer ausbricht. Was muss ich beachten, wenn ein Passagier einen Herzinfarkt erleidet. Und vor allem; Wie bringe ich mich nicht noch selber in Gefahr. Diese Ausbildung beginnt an Land und dauert in Summe 3 Tage. Danach gibt es eine Prüfung.

Der Tag kommt.

Es ist 06:00 und ein Schiff von 293 Meter Länge, 32 Meter Breite und 80 Meter Höhe legt am Kai an. Es hat in Summe 70.000 BRT und fasst inkl. Crew 2600 Menschen.

Wir werden hingebracht. Bekommen ein Glas Orangensaft oder Mineralwasser und werden mit einem „warm welcome on board QE2“ willkommen geheißen.

Wir checken ein. Reisepass geht an den Crewpurser, die Bettwäsche bekommen wir von den Chinesen und gehen geschlossen zur Schneiderei wo wir eingekleidet werden. Hemden, Hosen, Jackett, Fliege, Krawatte, weiße Handschuhe werden in den nächsten Monaten mein Arbeitsgewand sein. Nach dem wir unser Zeug zusammen haben gehts in die Kabinen. Ich habe Glück und habe für ein ganzes Monat ein Kabine für mich alleine. Die Norm ist allerdings für Europäer, dass man sich zu zweit eine Kabine teilt.

Ab nun bin ich ein Teil von einem Ganzen was geplant ist wie ein Schweizer Uhrwerk. Ich erhalte eine Führung durchs Schiff damit wir uns schneller zurecht finden und bekommen sogar einen Plan den wir auch in den ersten Tagen nützen. Auf zur Crew Messe. Nein, nicht beten sondern essen, und das so viel man will und kann. Es gibt mehrere Auswahlmöglichkeiten. Asiatisch, Europäisch, Amerikanisch. Salate und Früchte und dies 24 Stunden lang. Es wird für einem gekocht, gewaschen, organisiert und gereinigt. Letzteres gegen ein paar Us Dollar.

Das Leben ist zu Beginn hart.

Nach dem Dienst heißt es wieder zum Training zu gehen und nun die Sicherheitseinrichtungen an Bord kennenzulernen. Auch werden Standards einem beigebracht. Danach gibt es wieder einen Test.

Das Schiff legt ab.

Wir verlassen die Southampton Waters und nähern uns der offenen See. Das Schiff beginnt zu schaukeln. Man wird dabei müde. Auch die Crew. Die Altspatzen inspizieren dich. Schauen auch ob du auch was drauf hast. Das erste Monat bin ich im Theater. Getränke fragen, ordern und hinbringen. Jeden Tag aufs neue. 7 Tage die Woche; 8-10Stunden am Tag. Der lange Tag neigt sich dem Ende zu. Ab zur Crew Bar, ein paar Bier und ab in die Koje.

Der nächste Tag ein See Tag.

Wir sind in der Biskaya. Eine Meeresströmung vor Spanien und Portugal.  Mir ist flau im Magen. Nach einer Mageninventur und einer Tasse Tee melde ich mich beim Doc. Der lächelt und beruhigt mich. Kein Panik, haben wir gleich. Ich bekomme Tabletten gegen Seekrankheit. Nach dem ich mich bei meinem Vorgesetzten gemeldet hatte bekomme ich einen halben Tag frei. Ich lehne aber dankend ab da die Tabletten wirklich toll helfen. Gegen Mittag wird die See ruhiger und ich lerne die geheimen Stellen des Schiffes kennen.

Ein wenig Luft schnappen am Bug des Schiffes welches mit 28 Knoten Richtung Madeira fährt kann was. Es wird wärmer und die Sonne strahlt von einem tiefblauen Himmel.

Ich werde zum Hotelmanager gebeten.

Dort werden mir Fragen des Recruitings gestellt. Ob auch alles ordentlich und zu meiner Zufriedenheit erledigt worden sei. Ob dies mit der Medizinischen Untersuchung, dem C1 D Visa und auch mit dem Flug geklappt habe. Wie ich zufrieden war mit der Begrüßung und ob man nicht irgendwas für mich noch tun könnte. Cunard halt. Auch beim Personal schaut man ob alles passt.

Ich habe noch 3 Stunden Zeit.

Ich gehe in meine Kabine und lege mich nieder. Nach einem richtig leckeren Abendessen beginnt mein Abenddienst. Wir machen uns aus wer wann am nächsten Tag in Madeira von Bord kann. Ich habe Glück und bekomme den Tag frei. Bis dahin lernen wir uns näher kennen. Man bring mir auch Englisch bei und zwar richtig. Nebenbei werden Getränke Serviert, Bestellungen aufgenommen und mit dem Passagieren geplaudert.

Nach der letzten Vorstellung wird klar Schiff gemacht und es geht ab zur Crew Bar. Einige sind schon da, andere sind noch beim Dienst und trudeln nach und nach ein. Es wird voll. Das Bier um $ 0,50c geht weg wie die warmen Semmeln. 1 Packerl Zigaretten kostet $ 1,- Die Dose Cola $ 0,25c. Man nimmt sich mir an da man merkt das ich mit der Sprache Probleme hab.

Ich bekomme ab nun Sprachunterricht in Englisch Englisch, Irisch Englisch, Amerikanisch Englisch, Kanadisch Englisch und Australien und Neuseeland Englisch. Jeden Tag ein anderer.

Bei Fehlern muss ich trinken. Schnaps. Na dann Prost. Ich versuche keine Fehler zu machen. Als Belohnung bekomme ich die Anerkennung der Crew Mitglieder zu spüren. Es ist eine Familie. Deine Familie für die nächsten Wochen und Monate. Sie sind die diejenigen mit denen du auf Ausflügen unterwegs bis, du mit ihnen lachst und weinst die dich auffangen, wenn es dir einmal nicht so gut geht und dir unter die Arme greifen, wenn du nicht mehr kannst.

Nach dem wir in Madeira waren und wir uns Funchal angesehen haben. Dort einen Cafe getrunken und eine Postkarte nach Hause versendeten ging es weiter auf die Cap Vedischen Inseln. Diese Inselgruppe welche sich an der Westküste Afrikas befindet wurde mir als weniger spektakulär empfohlen. Ich bleibe an Bord und schiebe Dienst. Emergency Duty. Nur für den Fall der Fälle sollte was sein damit auch die Passagiere von Bord kommen, welche generell an Bord bleiben. Ich bitte einen Passagier, welcher einen Ausflug buchte mir einen Stein mitzunehmen. Was ich noch nicht wusste; ich werde in 1 Jahr wieder da sein und dann steht auch diese Inselgruppe auf meinem Programm.

Da diese Dienste meist von Langeweile ausgefüllt sind schlender ich über die Aussendecks und begutachte die Umgebung vom Schiff aus. Ich muss sagen, dass ich eine phantastische Aussicht genossen habe. Nach dem der letze Passagier wieder zurück an Bord war geht es zur Insel Napoleons – St. Helena. Ein Vortrag im Theater auf Englisch klärt die Passagiere auf. Ich steh ebenfalls im Theater und lausche. Erfahre ich Besonderheiten wie das z.B. der Bürgermeister die meisten Urteile spricht und nur 1 mal im Monat für die harten Fälle ein Richter von Cape Town kommt.

Auch das Postschiff St. Helena welches  England mit Cape Town verbindet bringt 1 Mal im Monat die Post und Nahrungsmittel auf die Insel. Das einzig interessante an diesem Ödland ist das Haus Napoleons. Ein SPAR Markt in mitten der City ist der Mittelpunkt. Ich bleibe wieder an Bord und überlasse den anderen den Ausgang. Dafür werde ich Cape Town frei haben.

Die nächsten Tage bescheren uns See Tage. Dabei werden wir auch den Äquator überqueren und eine Zeremonie abhalten.

Neptun kommt nämlich aus dem Meer und wird alle Frischlinge taufen.

Auch mich. Ich bekomme offiziell eine Einladung vom Hotelmanager und darf mich nur mit T-Shirt und Badeshort bekleidet beim Pool einfinden. Dies ist normalerweise nicht gestattet. Ich darf mich nur mit meiner Uniform außerhalb des Crew Bereiches aufhalten.  Halte ich mich nicht daran wird dies sanktioniert. Ich bin nicht alleine. Alle die mit mir in Southampton eingestiegen waren kommen zum Handkuss.

Vorher hat man mir versucht den Bären aufzubinden wo ich doch nach der Boje im Atlantik Ausschau halten soll die Anzeigt wo der Äquator sei. Hat nur nicht ganz geklappt. Nach dem ich in Nudeln und Grütze gebadet worden und mit Schlagsahne und anderen Dingen welche etwas klebrig sind überzogen war durfte ich noch den Fisch küssen. Ich bekam ein Zertifikat vom Kapitän überreicht welches mir bestätigte diese Taufe überlebt zu haben.

Ein See Tag gestaltet sich in der Regel als ein wenig stressiger Tag. Speziell in den Restaurants wo 1200 Passagiere in zwei Sitzungen ein 4 Gängiges Menü in Rekordverdächtigen 1 ½ Stunden verdrücken müssen und die Kellner dementsprechend dazu Druck ausüben. In der Bar Abteilung ist es recht angenehm. Man verkauft auch was und der Rubel oder besser der Dollar rollt. Ja, wir verdienten damals wirklich noch ordentlich Geld.

Küche gutWer in der Küche oder im Service tätig ist, hat weniger Freude an dem Job. Der ist nämlich hart. Frühstück, Mittag, Afternoon Tea, Abendessen, Mitternachtsbuffet. Das geht in die Knochen. Wer noch dazu verschläft hat mindestens 1 Special dazu. Afternoon Tea ist eine beliebte Strafmaßnahme und so motivierend sind auch die Kellner unterwegs. Die Küche produziert und verkocht Tonnen an Nahrungsmittel welche zuvor an Land gebunkert wurden.

Für einen großen turn around stehen knapp 12 Stunden zur Verfügung wo das Schiff gereinigt, die Passagiere aus- und wieder einchecken müssen, die Kabinen von oben bis unten desinfiziert und neu adaptiert werden sowie auch im Maschinenraum Wartungen durchgeführt werden.

Selbstverständlich ist auch das Entladen und Beladen der Koffer ein Thema welches von der Crew einiges abverlangt. Selbstverständlich stehen auch 20 bis 30 Riesengroße Sattelschlepper vor dem Schiff um ihre Ladung, welche zumeist Nahrungsmittel sind los zu werden. Im Inneren des Schiffes steht ein Hubstapler zur Verfügung der die Paletten im Schiffsinneren verteilt. Zum Teil müssen auch Nahrungsmittel, bevor sie an Bord kommen desinfiziert werden. Sie durchlaufen meist ein Wasserbad wo Schädlinge bereits abgetötet werden. Zur Sicherheit wird die Ware umgepackt um ja keine Lebewesen, welche man nicht an Bord haben will vorher zu entdecken.

Für den Abend trainieren die Entertainer für ihre abendliche Show. Die Shops sind geöffnet und in den Casinos werden Jackpots geknackt, oder auch nicht.

… freuen Sie sich schon jezt auf den nächsten spannenden Teil dieses exklusiven Erlebnisses von Markus Emminger

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